Heyho!
Ich bin zurueck aus dem Dschungel, und alter Vatter, das war ein ganz schoenes Abenteuer!
Als erstes bin ich letzte Woche Montag mit dem Bus von KL nach Jaremtut gefahren, der naechst groesseren Stadt suedlich des Taman Negara Nationalparks (Taman Negara heisst uebrigens uebersetzt einfach Nationalpark, also ist der Name TN-NP etwas seltsam, aber hey, wir haben auch alle PIN-Nummern, also was solls). Da hab ich dann eine Nacht verbracht - die letzte Nacht in der Zivilisation, fern ab vom Dschungel und beissenden Insekten und so - dachte ich. Es gibt im englischen so ein Sprichwort: “Don’t let the bedbugs bite!” (Pass auf, das die Bettkaefer dich nicht beissen/stechen!), was son Spruch ist, den du zu Kindern sagst, wenn du sie ins Bett bringst.
In Australien hab ich dann zum ersten mal Bedbugs im Hostel kennen gelernt (zum Glueck nicht oft). Alter Vatter, sind die Dinger mies! Technisch gesehen sind die Viecher eine Art Wanze (und heissen Bettwanzen auf Deutsch - Danke, Wikipedia!), und normalerweise zu klein, um sie auf Anhieb zu entdecken. Sie leben in Matratzen, Polstern, Stoff und Kleidung. Und in der Nacht kommen sie, beissen dich und trinken dein Blut. Waer ja nich so wild, wenn das nich (zumindest bei mir) fuerchterlichst jucken wuerde. So sehr, das ich in der letzten Nacht in der Zivilastion ungefaehr drei Stunden Schlaf bekommen hab.
Ich hab alles versucht! Ich bin in ein anderes Bett gezogen (ich hatte 6 Betten zur Auswahl), hab mir nen Polsterstuhl geholt, hab versucht auf dem Balkon zu pennen (mit Polstern, aber trotzdem - Ich hab keine Ahnung, was da in meinem Kopf ging - es war mittlerweise 4h nachts oder so und ich war echt uebermuedet) und letztendlich hab ich dann doch ein Bett ohne Viecher gefunden.
Naja, voellig uebermuedet also den 7h Morgens Bus zum Nationalpark bzw dem kleinen Dorf auf der anderen Flussseite. Da dann Campingequipment und Essen geliehen/gekauft, mir die Wege auf ner Karte zeigen lassen, auf die andere Flussseite uebergestezt, Nationalpark gebuehr bezahlt, warum hab ich in der ersten klasse bloss immer so schlechte Noten in Aufsaetzen bekommen, mein Erzaehlstil ist doch perfekt und dann endlich (um 11h vormittags) ab in den Dschungel.
Interessanterweise hatte ich mich in der Zwischenzeit voll daran gewoehnt, die ganze Zeit meinen Rucksack auf dem Ruecken zu haben - Brust und Bauchgurt helfen definitiv! Auch die Muedigkeit war kein Problem mehr - Ich war voller Energie und konzentriert und so.
Ich hatte zwar ein bischen Schiss, weil ein Reisefuehrer was von Gummistiefeln erzaehlt hatte (was uebrigens ein Scheisstip gewesen waere), die Moskitos hier in der Gegend auch schon mal Malaria uebertragen und ich auch sonst eigentlich ueberhaupt nich auf den Dschungel vorbereitet war. Egal, ich hatte Bock drauf, und wollte es einfach machen. Wo ein Wille ist, ist auch (oft) ein Weg (Uebrigens ein Thema, ueber das ich noch ein bischen mehr sagen/schreiben koennte - mal sehen, vll kann ich ja mit meinem liebem Schwesterherz kurzschliessen und ich kann den Blog hier noch laenger benutzen).
Der Dschungel war - mal wieder - ein echtes Erlebnis. Ich hatte ja in Australien schon ein paar Dschungelwalks gemacht, und im Prinzip gleichen sich die beiden Regenwaelder doch sehr (auch wenn mir da jetzt vll ein paar Biologen aufs Dach steigen, aber einige Arten sind definitiv gleich, zum Beispiel diese Pflanze, die aussieht wie ne Kreuzung aus Kaktus und Palme - kein Witz, die Stacheln sind echt fies!), aber es war trotzdem awesome.
Ich bin interessanterweise einigen Leuten begegnet, die sehr nett waren, hab mich nich davon einschuechtern lassen, das ich ein paar mal nicht 100% sicher war, ob ich auf dem richtigen Weg bin (aber ich wars immer - einfach keine Panik kriegen und weiterlaufen hilft in 100% aller Faelle von Unsicherheit, die ich hatte) und habs echt genossen.
Das lustige an der Hitze und der Feuchtigkeit ist, das es irgendwann einfach egal ist, ob irgendwas platschnass ist oder nicht. Ich hab viel getrunken, immer meine Haare und Ohren nass gehalten (die Ohren haben ne grosse Oberflaeche und sind gut durchblutet - ideale Kuehler fuer den Kopf) und hab mir oefter mal Wasser ueber den Kopf gegossen. In der Hitze absolut kein Problem.
Irgenwann nachmittags, als ich schon relativ nah an meinem Ziel fuer den Tag war (eine Huette im Regenwald, von der aus du Tiere beobachten kannst - ein so genannter Hide oder Bumbun), kam mir dann ein etwas nervoeser Englaender entgegen, der mit dem Boot von dem Dorf weiter stromaufwaerts gefahren war und dann auf meinem Weg zurueck zum Dorf gelaufen ist (er kam also von da, wo ich hinwollte). Wir haben uns ein bischen unterhalten, und er haette es beinahe geschafft, mir ein paar Flausen in den Kopf zu setzen, vor allem was das Wasser anging. Ich bin zwar beinharter Verfechter der “Dreck reinigt den Magen” Theorie, und trinke hier in Malaysia bedenkenlos Hahnwasser, aber fragte mich dann, ob ich Wasserreinigungstabletten haette (hatte ich natuerlich nicht - war ja unvorbereitet). Hm, naja, meinte er dann, er trinkt ja sowieso kein Leitungswasser ausser in England, blah blah. Grmbl. Naja, dann ahb ich ihn noch gefragt, wies mit dem Fluss ausssieht (auf der Karte war ein groesserer Fluss eingezeichnet, den ich noch ueberqueren musste) und er meinte Joah, da is ein Seil, das Wasser reicht dir bis zur Huefte, aber es ist auf jeden Fall machbar. Dann entdeckten wir, das wir durch unser rumstehen ganz schoen viele Blutegel auf uns aufmerksam gemacht hatten und die schon eifrig auf unseren Schuhen herumkrabbelten. Als wir dann voller Panik die Dinger abmachten, meinte er noch, das ich auch noch viele kriegen werde, wenn ich durchs Wasser gehe.
Mit diesen drei nich so guten Aussichten (evtl kein Wasser, durch den Fluss waten, und Blutegel!) ging ich dann weiter, und hab versucht, mir nichst draus zu machen. Ging auch ganz gut, auch wenn ich immer noch nich raffe, was mich an den Blutegeln so sehr abgeschreckt hat - die Dinger tuen weder weh noch jucken sie. Naja.
Als ich dann an den Fluss kam, war es in der Tat ein Erlebnis: einfach ein breiter Fluss so wie die Wupper nach viel Regen, vll nich ganz so breit, und braun. Mit einem Seil querruebergespannt. O - kay. *phew* Also, der Typ is da auch rueber und er hat gesagt es is machbar,a lso isses auch machbar. Nachdem ich mich an den Gedanken gewoehnt hatte, das ich einfach mein Bein ins Wasser stellen muss und dann durch den Fluss waten muss (der mir uebrigens wirklich bis zur Huefte ging) war es im Prinzip ein Kinderspiel. Trotzdem fuehlte ich mich danach so stolz, sls haette ich den Mount Everest bestiegen
Danach hatte ich tatseachlich ein paar Egel, aber irgendwie war das dann auf einmal egal und ich habsie einfach abgemacht, fertig. Dann wurde es auf einmal relativ dunkel - das Wetter schlug von strahlendem Sonnenschein auf dunkelgrau um.
Der Weg war auch nich mehr so wahnsinnig eindeutig, aber zum Glueck hab ich ein paar Wilderer getroffen - oh, right. Wilderer. Ja, leider - drei ziemlich junge Typen, der Aelteste vll 18 oder so. Der erste, der mich gesehen hat, hat sich auch prompt erstmal total erschreckt, aber der Aelteste sprach dann mit mir. Sein Englisch war gut, und er zeigte mir den Weg zum Hide.
Woaran ich erkannt hab, das sie Wilderer waren? Naja, erstmal hatten sie so komische Messer/Saegen dabei (Knochensaegen? Igitt!) dabei, und dann hab ich einfach einen von ihnengefragt, was sie hier machen. Seine ANtwort war ein leicht beschaemtes “We are looking for animals in the jungle, for hunting.” Naja, ich hab dann nix gesagt, weils inzwischen angefangen hatte zu pissen wie Hoelle und ich dann doch ein bischen Schiss vor den Messern hatte (auch wenn sie sie nicht gezaogen hatten oder so, aber trotzdem).
Den Weg zum Hide bich dann quasi gerannt.
Dann ertsmal was gegessen, mich ein bischen ueber den Gaskocher geaergert (oder mehr die Kartusche, aber naja) und dann bin ich fast sofort eingeschlafen.
Ein Einblick darin, was mri so durch den Kopf schwirrt: Waehrend ich mit dem Gaskocher/der Kartusche kaempfte, aus der das Gas nur so rausstroemte, fiel mir auf, wi ekalt die Kartusche wurde und das das Gas sofort auf der Oberflaeche kondensierte. Verdunstungskaelte! - so ein Zeug geht mir durchs Hirn waehrend ich dabei bin, potentiell mein warmes Abendessen zu verlieren. Naja.
Das mit dem Wasser stimmte leider - es war furchtbar dreckig, und auch die Zuleitung, die cih entdeckt hab und die ich direkt angezapfen konnte, sah zwar besser aus, schmeckte aber scheisse. Abkochen war auch nich so der Bringer, weil das Wasser nich heiss genug wurde, danach immer noch nich besser aussah oder schmeckte. Ne Destille waer natuerlich was gewesen - Ich halb darueber nachgedacht ob ich den Wasserdampf auffangen koennte, aber es wurde dafuer nich heiss genug und so Mad Scientist war mir dann doch nich zumute.
Also hab ich meine Plaene etwas geandert: Anstatt ueber eine alternative Route zurueckzugehen, bin ich dann zu dem Punkt, wo der Englaender sich per Boot hat absetzen lassen, gegangen. Das war naeher, und ich hab zumindest gehofft, das da ein paar Leute wohnen, die Wasser haben (ich hatte am naechsten Tag naemlich keins mehr).
Urspruenglich wollte ich warten, bis meine Schuhe getrocknet waren (Der Fluss, ihr erinnert euch?), aber dafuer war das Wetter zu verhangen und feucht. Ausserdem wollte ich dann nich mehr warten, so ohne was zu trinken.
Nachdem ich die Schuhe dann etwas ueber dem Gaskocher getrocknet habe (eine Idee irgendwo zwischen Idiotie und Geniestreich, aber frag mich nich auf selcher Seite der Linie) bin ich dann los. Diesmal hatte ich zwischendurch echt Megaschiss auf dem falschen Weg zu sein, was an derbe irrefuehrenden Schildern lag. Dann begegnete mir aber noch ein anderer Wilderer, und der sagte mir dann, das ich auf dem richtigen Weg war.
Ich mein, ich kanns ja verstehen: Du hast nich viel Geld, und in den Wald zu gehen, der da so vor deiner Haustuer vor sich hin waechst und ein paar Fallen zu stellen/die gefangen en Tiere da raus zu holen is wahrscheinlich relativ lukrativ, aber trotzdem: 4 Wilderer in 2 Tagen?? What the Fuck? Leude, das is n Nationalpark! Ich mein, abgesehen von den ueblichen Argumenten gegen Jagd auf Tiere, is das bei Nationalparks einfach echt nochmal schlimmer. Ich hab lange hin und her ueberlegt, ob es was bringt/sinnvoll/richtig ist, den Parkrangern Bescheid zu sagen, und hatte mich dann dafuer entschieden, habs dann aber leider hinterher vergessen (bzw hatte dann keine richtige Gelegenheit mehr).
Damm.
Naja, dann hab ich das kleine Dorf erreicht (mehr so 10 Haeuser, aber hey), hab dann da Wasser bekommen, noch 2 nette franzoesische Reisende getroffen, die auch Probleme mit Egeln hatten und bin dann mit denen im Boot zurueck gefahren.
Die naechste Nacht hab ich dann im Nachtzug nach KL verbracht und war dann wieder gluecklich “zuhause! 